Der Schaum vom Traum

Ich glaub’s ja nicht. Jeden Tag bekomme ich über LinkedIn einen unglaublichen Traumjob angeboten – und dies erstaunlicherweise bereits seit einem Monat! Dass die Stelle noch nicht besetzt ist, verstehe ich nicht. Alles scheint hier doch zu stimmen.

Genau hingeschaut? Locker, flockig… schön, sahnig, verlockend. Der Text verführt. Wetten, dass Ihnen ein Seufzer entfährt, so schaumig-traumhaft klingt die schöne neue Welt?!

Klischees verfuehren uns und halten uns gefangen

Klingt gut, nicht? Traumhaft… Alles, was man sich wünscht:

    • Gefordert UND gefördert sein
    • Sinn erleben und etwas bewirken
    • Miteinander erleben, familiär, herzlich und von persönlicher Relevanz
    • ein erfolgreiches Umfeld, von dem man profitiert und sich selbst weiter entwickelt
    • natürlich Glück bei fairer Vergütung und guten Perspektiven, die Führungsrolle winkt schon
    • und natürlich Langfristigkeit und Sicherheit

Glauben Sie’s?

 

Nichts gegen Traumstellen und Spaß im Job. Gar nicht! Aber das geht alles zu weit. Die Stellenausschreibung ist gespickt voll von Begriffen, die sich – vor allem – jüngere Menschen im Job wünschen. Das Wording hat mich stutzig gemacht. Alles erinnert mich an „Menschenfänger“. Da heißt es doch vielleicht lieber noch einmal genauer hinsehen.  Und fragen: Glaub ich’s wirklich?

Ich glaube es nicht. Ich glaube, es geht hier darum, Wunschbilder zu erzeugen und die eigene Unzufriedenheit wach(er) zu kitzeln. Mit 08/15-Ideal-Vorstellungen, Insta-Feeling, 100% top. Aber Klischees machen uns kaputt, weil sie unser Denken in einschränkende Bahnen lenken und unser eigenständiges Denken behindern und schließlich sogar zerstören. Darum mag ich keine Klischees. Ich glaube, dass diese Stellenausschreibung ein Lockvogel ist: Am Schluss bist du selbst das Produkt. Du arbeitest dann nicht in der Persönlichkeitsentwicklung, sondern kaufst hier ein, weil alles so easy sein könnte… Weil alle so gut drauf sind, weil alles so flockig, locker, schön ist. Und ich auch ein Stück davon ab haben möchte… Ich glaub’s nicht. 

Und noch etwas: Unzufriedenheit und Unglücklichkeit kommen sehr oft von falschen Vorstellungen. Träume spuken uns dann im Kopf herum, die tatsächlich Schäume sind… Und rauben uns die Lust, in unserem eigenen Leben anzukommen und hier etwas zu ändern – und es vielleicht sogar, gar nicht so schlecht zu finden. Weil ja Träumen…

Schöne Worte sind manchmal tatsächlich wie Schaum. Hier noch ein Foto von der Webseite dieses Traumjob-Anbieters. Glauben Sie’s immer noch?

Ach, übrigens ist der Traumjob natürlich eine Stelle als Coach!  Klar, Coach kann jede*r.  😀

Manchmal klingt's zu gut

2 Gedanken zu „Der Schaum vom Traum“

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